Usbekistan eröffnet neues Bildungszentrum für Kinder im Zentrum für Islamische Zivilisation in Taschkent
In der usbekischen Hauptstadt Taschkent wurde kürzlich ein hochmodernes Bildungszentrum für Kinder eröffnet, das innerhalb des beeindruckenden Komplexes des Center for Islamic Civilization in Uzbekistan (CIC) angesiedelt ist. Diese Initiative zielt darauf ab, das reiche kulturelle und wissenschaftliche Erbe des Landes auf eine interaktive, multimediale und generationengerechte Weise zu vermitteln – eine Mischung aus Technologie, Erzählung und Lernen, wie sie in der Region bislang kaum vorhanden ist.
Ein Lernraum speziell für Kinder
Das neu errichtete Kinder‑Foyer (Children’s Hall) im CIC richtet sich speziell an junge Besucherinnen und Besucher. Es bietet interaktive Exponate, mehrsprachige Inhalte in Usbekisch, Russisch und Englisch sowie digitale Installationen, die das Leben und die Entdeckungen der zentralasiatischen Gelehrten in der islamischen Welt lebendig machen. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und animierten Charakteren werden historische Persönlichkeiten dargestellt – so etwa Wissenschaftler, Gelehrte und Denker –, die im Umfeld des islamischen Kulturkreises von Zentralasien mit ihrem Forschergeist, ihrer Kreativität und ihrem Wissen die Welt beeinflusst haben.
Ziel dieser Kinderhalle ist es, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern Neugierde zu wecken – und zwar in einer Form, die Kinder emotional anspricht und interaktiv einbindet. Historische Figuren werden nicht bloß als Texte präsentiert, sondern sprechen mit den Kindern, antworten auf Fragen und machen abstrakte Themen wie Mathematik, Astronomie oder Kalligrafie nachvollziehbar. So entsteht ein Ort, an dem Lernen nicht primär in Frontalunterricht besteht, sondern in spielerischer Auseinandersetzung mit Geschichte, Kultur und Technologie.
Mehrsprachigkeit und Digitalisierung als Schlüssel
Auffällig ist, dass die Inhalte des Zentrums nicht allein auf Usbekisch verfügbar sind. Russisch und Englisch sind gleichwertig integriert – ein klares Signal, dass das Vorhaben internationale Ausstrahlung haben will. Damit sollen nicht nur nationale Kinder angesprochen werden, sondern auch Gäste und Schulklassen aus dem Ausland, die nach Taschkent kommen. Die digitale Ausstattung – interaktive Tafeln, Animationen, KI‑basiertes Fragen‑Antworten mit historischen Persönlichkeiten – hebt das Zentrum deutlich von konventionellen Museen ab. Laut Medienberichten handelt es sich um eines der modernsten Projekte seiner Art weltweit (Quelle: Euronews). Euro News hat außerdem ein begleitendes Video produziert, das die Kinderhalle und die innovativen Lernformate visuell vorstellt:
Workshops und Schule für Kalligraphie
Ein weiterer zentraler Baustein des Komplexes ist die im gleichen Gebäude angesiedelte Internationale Schule für Kalligraphie. Dort bieten Experten und Künstler Workshops an, in denen einerseits traditionelle Koran‑ und Ornament‑Schriften wiederbelebt werden – andererseits eröffnet sich ein Raum für zeitgenössische kalligraphische Ansätze. Kinder und Jugendliche bekommen hier die Gelegenheit, von alten Meistern zu lernen und zugleich eigene kreative Wege zu entdecken. In Zeiten, in denen Handschrift und Kalligrafie oft verdrängt werden, ist dieser Ansatz bemerkenswert: Er verbindet historisches Erbe mit moderner Gestaltungsfreiheit.
Die Bibliothek – ein Fundament für Bildung und Forschung
Das CIC verfügt über eine weitreichende Bibliothek, die sich über zwei Etagen erstreckt und mehr als 35.000 gedruckte Publikationen sowie rund 2.500 Handschriften beherbergt. Diese Bestände bieten nicht nur klassischen Wissenszugang, sondern auch Forschungspotenzial für Historiker, Philologen und Wissenschaftler – und machen das Zentrum somit zu weit mehr als bloß einem Ausstellungsraum. Der Fokus liegt hier auf der Bewahrung, Digitalisierung und Zugänglichmachung des kulturellen Erbes, was eine langfristige Perspektive für Bildung und Wissenschaft eröffnet.
Kulturelle Strategie und Bedeutung
Das Projekt geht tief in eine nationale Strategie hinein: Mit dem CIC will Usbekistan sein Image als Zentrum islamisch‑wissenschaftlicher Kultur historisch untermauern und zugleich moderne Impulse setzen. Laut Medienberichten arbeiteten fast 500 Expertinnen und Experten aus rund 100 Ländern sowie über 1.000 usbekische Fachleute an rund 800 Initiativen zur Erfassung, Bewahrung und Vermittlung islamischer Zivilisation. Präsident Shavkat Mirziyoyev kommentierte das Projekt als ein Zeichen dafür, dass die Religion des Islam eine Religion des Guten, des Humanismus und der Aufklärung sei.
Vor dem Hintergrund eines sich wandelnden Usbekistan, das verstärkt auf Bildung, Wissenschaft und internationale Zusammenarbeit setzt, erscheint das Zentrum als symbolträchtige Einrichtung: Ein Ort, der Vergangenheit und Zukunft verbinden will – ein Lern‑, Forschungs‑ und Begegnungsraum zugleich.
Konkreter Nutzen für Kinder und Schulen
Für Kinder und Schulklassen in Usbekistan eröffnet sich durch dieses Zentrum eine neue Möglichkeit: nicht lediglich historische Fakten zu konsumieren, sondern aktiv zu partizipieren. Der interaktive Ansatz soll Kinder frühzeitig für Wissenschaft, Kreativität und kulturelles Erbe begeistern. Besonders im Hinblick auf digitale Kompetenzen ist das Angebot wertvoll: Wenn etwa eine animierte Figur von Al‑Biruni erklärt, wie er Erdradius‑Berechnungen angestellt hat, entsteht unmittelbare Verbindung zwischen Technik, Geschichte und persönlichem Interesse.
Außerdem bietet der „Children’s Hall“-Bereich Schulen die Chance, Exkursionen nach Taschkent einzuführen, in denen Kinder nicht passiv betreut werden, sondern durch wissensbasierte Technologien geführt werden – in einer Sprache, die sie verstehen, mit Inhalten, die sie neugierig machen. Mehrsprachigkeit bedeutet dabei auch, dass Fremdsprachigkeit gefördert wird: Kinder, die Englisch kennenlernen, profitieren direkt vom Angebot.
Herausforderungen und Ausblick
Natürlich stehen hinter solch ambitionierten Projekten auch Herausforderungen: Qualitativ hochwertige Inhalte müssen langfristig gepflegt werden, technologische Installationen benötigen Wartung und Aktualisierung, und die Verbindung zwischen interaktivem Lernen und schulischem Curriculum muss sichergestellt werden. Zudem bleibt die Frage, wie der Zugang für Kinder aus entlegeneren Regionen Usbekistans gewährleistet wird – und ob das Zentrum auch nachhaltig von diesen profitieren kann.
Dennoch eröffnet sich hier ein Modell, das über nationale Grenzen hinaus wirksam werden kann: Wenn Kinder bereits heute lernen, Geschichte und Wissenschaft zu verstehen, Kultur = Erbe zu sehen und Technologie als Mittler dafür zu begreifen, könnte Usbekistan tatsächlich eine neue Bildungs‑ und Kulturplattform entwickeln, die zugleich Forschung, Ausbildung und Vermittlung verbindet.
Mit der Inbetriebnahme des neuen Bildungszentrums im Rahmen des Center for Islamic Civilization in Taschkent setzt Usbekistan ein starkes Zeichen: weg von reiner Museumskultur hin zu lebendigem Lernen, digitaler Vermittlung und früh‑kindlicher Begeisterung für Wissen. Dafür spricht die internationale Ausrichtung, die Mehrsprachigkeit, die technologischen Mittel, die Workshops und die umfangreiche Bibliothek. Dass Euro News das Projekt mit einem eigenen Video begleitet hat, unterstreicht die weltweite Aufmerksamkeit für diese Initiative. ©Davra e.V.
